Die württembergische Evang. Landessynode

Die Württembergische Evangelische Landessynode

Die gesetzgebende Versammlung der Landeskirche

Die Landessynode ist die gesetzgebende Versammlung der Kirchenleitung. Sie kommt in der Regel dreimal pro Jahr zur Sitzung zusammen. Zu ihren Aufgaben gehört neben der Wahl des Landesbischofs auch die kirchliche Gesetzgebung. Sie beschließt beispielsweise den landeskirchlichen Haushaltsplan und regelt die Verwendung der Kirchensteuergelder. Die Landessynode wird alle sechs Jahre direkt von den Gemeindegliedern gewählt. Damit sind wir die einzige Gliedkirche der Evangelischen Kirche in Deutschland, die nach dem Prinzip der Urwahl ihre Mitglieder in die Synode wählt. Die letzte Kirchenwahl fand am 1. Dezember 2013 statt. Insgesamt hat die Landessynode derzeit 98 Mitglieder.

Der Evangelischen Landeskirche in Württemberg gehören circa 2,1 Millionen evangelische Christen an. Sie ist eine Gliedkirche der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Landesbischof ist seit 2005 Dr. h. c. Frank Otfried July. Die Kirchenleitung hat ihren Sitz im Evangelischen Oberkirchenrat in Stuttgart

Hier die Pressemeldung zur Herbsttagung im November 2017:

Landessynode: keine Mehrheit für öffentliche Segnung gleichgeschlechtlicher Paare

Gesprächskreise mehrheitlich enttäuscht – Landesbischof July will „Einigungswerk“ fortsetzen
Stuttgart. In der Evangelischen Landeskirche in Württemberg wird es weiterhin keine öffentliche Segnung gleichgeschlechtlicher Paare geben: Am Mittwoch, 29. November, hat ein auf deren Ermöglichung abzielender Gesetzentwurf des Oberkirchenrats in der im Stuttgarter Hospitalhof tagenden Landessynode nicht die nötige Zwei-Drittel-Mehrheit gefunden. Bei 62 Ja-Stimmen, 33 Nein-Stimmen und einer Enthaltung haben zwei Stimmen zur Annahme gefehlt. Das gab die Präsidentin der Synode, Inge Schneider, bekannt. Der Gesetzentwurf sah eine neue Amtshandlung „anlässlich der bürgerlichen Eheschließung zwischen zwei Personen gleichen Geschlechts, der Begründung einer eingetragenen Lebenspartnerschaft oder der Umwandlung einer Lebenspartnerschaft in eine Ehe“ vor. Konkret sollte er es den Kirchengemeinden  ermöglichen, einen Gottesdienst anlässlich der bürgerlichen Eheschließung zweier Personen gleichen Geschlechts einzuführen. Nachdem bereits am Vortag ein weiter gehender Gesetzentwurf des Gesprächskreises „Offene Kirche“ abgelehnt worden war, bleibt jetzt im evangelischen Württemberg alles beim Alten: Eine Segnung gleichgeschlechtlicher Paare ist nur im nichtöffentlichen Rahmen der Seelsorge möglich.
In einem der Entscheidung folgenden Pressegespräch hielt Landesbischof Dr. h. c. Frank Otfried July fest, dass sich beinahe zwei Drittel der Landessynode für die Ermöglichung einer öffentlichen kirchlichen Amtshandlung für gleichgeschlechtliche Paare ausgesprochen haben. „Dieses durchaus starke Votum, das ich auch für repräsentativ für die Stimmungslage an der kirchlichen Basis halte, verstehe ich als Verpflichtung, in dieser Sache weiter aktiv zu bleiben.“ Bei allem Respekt vor denen, die dem Gesetzentwurf des Oberkirchenrats nicht zustimmen konnten, könne er die Augen nicht davor verschließen, dass eine breite Mehrheit hier anders denkt und entschieden hat, so der Landesbischof weiter. „Als Bischof, dem die Einheit unserer Landeskirche ein Herzensanliegen ist, sehe ich mein Einigungswerk jedenfalls im Umgang mit gleichgeschlechtlichen Paaren noch längst nicht getan – und darin fühle ich mich und das Kollegium des Oberkirchenrats auch durch die breite Mehrheit in der Synode gestärkt.“
Für den Gesprächskreis „Lebendige Gemeinde“ verwies Ralf Albrecht auf die intensive Auseinandersetzung mit dem Gesetzentwurf des Oberkirchenrats: „Die Synodalen der ‚Lebendigen Gemeinde‘ haben um eine Entscheidung gerungen und dann frei nach ihrem Gewissen abgestimmt. Einige haben dem Entwurf des Oberkirchenrats zugestimmt, eine Mehrheit dagegen.“ Ein entscheidender Gesichtspunkt sei für den Gesprächskreis der Umstand gewesen, dass nach dem Entwurf die einzelnen Kirchengemeinden mit den Fragen der Einführung einer neuen Kasualie befasst und belastet worden wären. Gleichzeitig richtete Albrecht den Blick nach vorn: „Wir sehen die Herausforderung unserer Kirche, die pastoraltheologische Begleitung gleichgeschlechtlicher Paare weiter zu entwickeln und neue Handlungsmöglichkeiten zu eröffnen. Daran arbeiten wir als ‚Lebendige Gemeinde‘ weiter konstruktiv mit.“
Professor Dr. Martin Plümicke vom Gesprächskreis „Offene Kirche“ zeigte sich enttäuscht, dass noch nicht einmal der Kompromissvorschlag des Oberkirchenrats eine Mehrheit gefunden habe. „Die Synodalen der ‚Offenen Kirche‘ haben engagiert für die Trauung gleichgeschlechtlicher Paare gestritten. Sie legten einen Gesetzentwurf vor, der nach der staatlichen ‚Ehe für alle’ auch die kirchliche Trauung für alle möglich gemacht hätte. Die Mehrheit der Synode lehnte diesen Antrag ab. Schweren Herzens entschlossen sich die Mitglieder der ‚Offenen Kirche‘ dazu, dem vom Oberkirchenrat vorgelegten Kompromissvorschlag zuzustimmen, um wenigstens einen kleinen Fortschritt zu ermöglichen. Wir sind nun enttäuscht, dass nicht einmal dies möglich war.“
Auch Ernst-Wilhelm Gohl vom Gesprächskreis „Evangelium und Kirche“ wollte seine Enttäuschung nicht verhehlen: „Das ist ein bitterer Tag für homophile Paare und unsere Landeskirche. Eine Minderheit, die für sich beansprucht, ihrem an die Schrift gebundenen Gewissen folgen zu können, verweigert einer deutlichen Mehrheit dasselbe Recht.“ Dabei sei der Entscheidung ein langer Abstimmungsprozess vorausgegangen, bei dem die Bedenken der „Lebendigen Gemeinde“ immer eingearbeitet wurden. „Gleichwohl bleibt festzuhalten, dass eine deutliche Mehrheit der Landessynode eine Segnung homosexueller Paare befürwortet.“
 
Für „Kirche für morgen“ verlieh Götz Kanzleiter seiner Enttäuschung darüber Ausdruck, dass die aktuellen Bemühungen seines Gesprächskreises, Brücken zu bauen, nicht erfolgreich waren. „Daher bedauern wir sehr, dass heute in der Synode die Ermöglichung für die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare knapp gescheitert ist. Wir kritisieren die der Situation unangemessene Vorgehensweise des Gesprächskreises  ‚Offene Kirche‘ und die Blockadehaltung des Gesprächskreises ‚Lebendige Gemeinde‘.“
 

Einsatz für Flüchtlinge und gegen Waffenexporte

Stuttgart. Die Herbsttagung der Württembergischen Evangelischen Landessynode im Stuttgarter Hospitalhof ist am heutigen Donnerstag, 30. November, zu Ende gegangen. Zum Abschluss fassten die
Synodalen verschiedene Beschlüsse: den Beitritt der Landeskirche zur „Aktion Aufschrei“, eine Resolution für Flüchtlinge sowie den deutlichen Einsatz für den Familiennachzug für anerkannte Flüchtlinge. Seit Montag, 27. November, hat die Synode außerdem den Haushalt 2018 verabschiedet sowie über Gesetzentwürfe zur Trauung oder Segnung gleichgeschlechtlicher Paare und über eine neue Taufagende
beraten.

Landeskirche soll „Aktion Aufschrei“ beitreten
Am Donnerstag stimmte die Landessynode dafür, der „Aktion Aufschrei – Stoppt den Waffenhandel“ beizutreten. Kirche, so plädierten Sprecher verschiedener Gesprächskreise in der kontroversen Debatte,
müsse sich gegen Rüstungsexporte positionieren und friedensethische Fragen noch stärker diskutieren und in die Gesellschaft tragen. Dies würde mit einem Beitritt deutlich. Zwei Landeskirchen und einige
katholische Diözesanräte haben diesen Schritt bereits getan. Anders die Vorsitzende des zuständigen Synodalausschusses „Kirche - Gesellschaft - Öffentlichkeitsarbeit“, Franziska Stocker-Schwarz: Bisher sei es nicht üblich gewesen, dass die Landeskirche Kampagnen beitrete, selbst wenn sie deren Ziele unterstütze. Für Frieden und gegen Waffenexporte lasse sich auch auf anderen Wegen viel erreichen,
beispielsweise durch das Gespräch mit Bundestagsabgeordneten, durch landeskirchliche Publikationen und den runden Tisch zum Thema.

Die „Aktion Aufschrei“ wendet sich gegen den Export von Rüstungsgütern in Staaten, die Menschenrechte verletzen oder Krieg führen. Sie fordert ein Verbot für den Export von Kleinwaffen und Munition, ein Verbot von Hermesbürgschaften für Rüstungsexporte sowie ein Verbot von Lizenzvergaben zum Nachbau deutscher Kriegswaffen. Außerdem setzt sie sich für die Umstellung der Rüstungsindustrie auf nachhaltige zivile Produkte ein. Die Aktion wird von der Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden (AGDF), Brot für die Welt, Misereor, Ohne Rüstung leben, Pax Christi und anderen Organisationen getragen.

Einsatz für Flüchtlinge und ihre Familien
Außerdem beschäftigte sich die Synode am Donnerstag mit der Situation von Flüchtlingen. Sie forderte mit großer Mehrheit, dass die Abschiebung von Flüchtlingen aus Griechenland in die Türkei sofort eingestellt wird. Darüber hinaus bittet die Landessynode den Oberkirchenrat, sich auf allen möglichen Ebenen dafür einzusetzen, dass Flüchtlingen, deren Asylverfahren in Deutschland positiv beschieden wurde und denen ein Aufenthaltsrecht in Deutschland zusteht, der Familiennachzug ohne Wartezeit ermöglicht wird.

Die nächste Tagung der Landessynode findet vom 8. bis 10. März 2018 im Hospitalhof in Stuttgart statt.

Oliver Hoesch
Sprecher der Landeskirche

Alle Dokumente und unsere detaillierte Berichterstattung zur Tagung finden Sie auf unserer Webseite:

https://www.elk-wue.de/wir/landessynode/sitzungen-der-landessynode/herbsttagung-2017/

 

 

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