Bericht von der Frühjahrssynode März 2016 in Stuttgart

Sommertagung 2016 der 15. Landessynode
Im Kongresszentrum Harmonie in Heilbronn fand vom 07.-09. Juli die Sommertagung der evangelischen Landessynode statt.

Zu Beginn der Tagung standen verschiedene Berichte zu neuen Medien aus dem Ausschuss für Kirche, Gesellschaft und Öffentlichkeit und die Beratungen zur Mittelfristigen Finanzplanung und zum 2. Nachtragshaushalt 2016 im Mittelpunkt.
Am Freitag drehte sich alles rund um das Thema Frieden, Religion und Gerechtigkeit. Thema des Schwerpunkttags: „Reformation – Eine Welt und Gerechter Friede“. Gegen 18:30 Uhr hat in Heilbronn ein Abend der Begegnung mit dem Kirchenbezirk Heilbronn stattgefunden.
Für den letzten Sitzungstag standen eine Aktuelle Stunde zum Thema "Was können wir als Kirchen zu einem guten Miteinander in Europa beitragen?", diverse Beratungen zu Kirchlichen Gesetzen und das Thema Inklusion auf der Tagesordnung.
Unsere Synodalen Matthias Böhler, Martin Allmendinger, Götz Kanzleiter, Kai Münzing, Willi Beck und Peter Schmidt geben  im Newsletter ihre Eindrücke wider.
Übersicht der Themen dieses Newsletters


1. Anträge zu neuen Gemeindeformen und Millieu-Missionare
2. Blick auf den Schwerpunkttag Reformation, eine Welt und gerechter Friede
3. Neue Medien / App / Kirchenräume
4. Landeskirchlicher Inklusionsplan
5. Ehrenamtsberatung und Nachtrag
6. Mittelfristigen Finanzplanung 2016-2020
7. Europa – Quo vadis ? (Aktuelle Stunde zu Europa)

1. Anträge zur Ausbildung von Milieumissionaren/innen und Gemeindegründer/innen
Der Kfm-Synodale Willi Beck brachte zwei Anträge (51/16, nachzulesen unter diesem Link und 52/16, einzusehen unter diesem Link) ein, deren Umsetzung für die Zukunft unserer Kirche notwendig sind. Beide wurden zur Bearbeitung an den Theologischen Ausschuss unter möglichem Einbezug des Strukturausschusses verwiesen.
 
 
 2. Schwerpunkttag „Reformation – Eine Welt und Gerechter Friede“
„Reformation – Eine Welt und Gerechter Friede“ war das Motto des diesjährigen Schwerpunkttages der Synode. Eröffnet wurde die Tagung mit einer Bibelarbeit von Dr. Habib Badr. Der leitende Pfarrer der Nationalen Evangelischen Kirche von Beirut betonte, dass Jesus Christus immer wieder ins Zentrum zu rücken ist; ER ist der Friede der ganzen Welt. Aber wir müssen, so Badr, in Frieden, im Glauben, in der Hoffnung und Liebe beten und danach streben. Beten und arbeiten … in Frieden … für den Frieden … das sei der springende Punkt!
 
Prof. Dr. Andreas Hasenclever, Professor für Friedensforschung und Internationale Politik am IFP der Universität, ging in seinem Referat auf den Zusammenhang von Macht, Religion und Frieden ein. Auf der Grundlage seines Religionsbegriffs, den er durch vier Merkmale markierte, interpretierte der Friedensforscher eine ganze Reihe empirischer Untersuchungen zur Konfliktforschung und kommt u.a. zu dem Ergebnis, dass eine Welt ohne Religion (in der definierten Vorlage) nicht friedlicher ist, als eine Welt mit Religion. Die Konfliktdynamiken sind dieselben, folgen einer säkularen Logik, unabhängig der religiösen Identitäten der Konfliktpartner; religiös motivierte Konflikte blieben dabei in der Minderheit.
Die Moderatorin des Ökumenischen Rates der Kirchen, Dr. Agnes Regina Aboum, Kenia, sprach über die Verkettung von Klimawandel, seinen Folgen und dem Ringen um gerechten Frieden. Sie appellierte an eine gemeinsame Überwindung der Klimaungerechtigkeit und stellte diesen Weg in die Beziehung des Menschen zu Gott, zum Nächsten, zur Schöpfung und zum eigenen selbst.
Prof. Dr. Dr. Thomas Schirrmacher, Präsident der International Society for Human Rights,  thematisierte „Menschenrechte in der Einen Welt“. Schirrmacher sieht die Verständigung auf gemeinsame Menschenrechte als wesentliche Voraussetzung für gerechten Frieden und Konfliktbeilegung in dieser Welt. Menschenrechte, so der Referent, haben vor-staatlichen Charakter und sind kulturunabhängig, weil sie die Grundbedürfnisse des Menschen artikulieren und ihnen ein Recht geben. Freilich habe der christliche Glaube eine hohe Identifikation mit den Menschenrechten; ihr Wert liege darin, dass sie religionsübergreifend vorgelagert sind.
In neun Workshops vertiefte sich die Synode am Nachmittag in die Themenstellung. Eine Weiterarbeit an Konkretionen für das Handeln der Kirche ist vorgesehen und unterschiedliche Anregungen wurden in der Ergebnispräsentation der Workshops vorgetragen.
(Dr. Willi Beck)


3. Neue Medien / App / Kirchenräume (TOP 1 – 3)
Modernisierungstendenzen in der württembergischen Landeskirche?
Dieser Frage geht der Synodale Martin Allmendinger nach:
 
„TOP 1 Bedeutung und Identifikationswert von Kirchen – Einsetzung einer Arbeitsgruppe“
 
Der Antrag hat zum Ziel, den Stellenwert der Kirchengebäude und –räume neu herauszuarbeiten. Bei dem Problem der notwendigen Reduzierung landeskirchlicher Immobilien darf es nicht nur um ökonomische Gesichtspunkte gehen. Es handelt sich hierbei nicht nur um Funktionsräume, sondern auch um Glaubenszeugnisse: Der Raum selbst verkündet schon Evangelium. Diese theologische Dimension soll neben der ökonomischen mit in den Blick genommen werden. Der praktisch-theologische Blick hierfür soll geschärft werden und in die Prozesse zur Lösung des Immobilienproblems eingespielt werden.
Alle Aspekte einer Immobilienentscheidung sollen so für die Gemeindemitglieder und die Öffentlichkeit transparent gemacht werden.“
 
Dieser auszugsweise wiedergegebene Bericht der Vorsitzenden des Ausschusses Kirche, Gesellschaft und Öffentlichkeit (KGÖ) hat für mich auch als Mitglied dieses Ausschusses eine doppelte Bedeutung die ich hier anmerken möchte.
Erstens sehe ich die Problematik der „notwendigen Reduzierung landeskirchlicher Immobilien“ und daraus resultierend den eventuellen Verlust des Glaubenszeugnisses eines Kirchturms. Wobei von mir das lebendige Glaubenszeugnis von Menschen weit höher bewertet wird gegenüber einem rein räumlichen Bekenntnis.
Zweitens kann ich den Aspekt der Transparenz bei Immobilienentscheidungen, und nicht nur bei diesen, nur dick unterstreichen. Auf dem Weg von einer Betreuungskirche zu einer Beteiligungskirche ist die Transparenz für Gemeindeglieder und Öffentlichkeit dringend zu intensivieren.
 
 
„TOP 2 Entwicklung einer App für die Evang. Landeskirche“
 
Mit dem Antrag 32/15 erhielt der KGÖ den Auftrag zur Entwicklung einer solchen App. „Mit dieser App sollen Inhalte der Homepage www.elk-wue.de wie z. B. Nachrichten, Termine, Bibeltexte, Grundtexte des Glaubens und auch neue Inhalte, wie z. B. das Evangelische Gesangbuch, zur verbesserten mobilen Nutzung zur Verfügung gestellt werden. Außerdem soll geprüft werden, ob nicht auch standortbezogene Dienste (location based services) eingebaut werden können, so dass der Nutzer Informationen zu Terminen und Veranstaltungen der Kirchengemeinde an seinem aktuellen Standort erhalten kann.“ So die  auszugsweise Wiedergabe des Antrags 32/15.
Beim Bericht durch die Vorsitzende des KGÖ ist deutlich geworden, dass die Digitalisierungsbemühungen in der Landeskirche und in der EKD dringend vorangebracht werden müssen. Dazu gehören vor allem auch Themen wie Familie evangelisch, die im Antrag Nr. 13/16 „App und Internetseite ‚Familie evangelisch‘“ zur Bearbeitung anstehen. Auch die Digitalisierungsüberlegungen für ein digitales Gesangbuch sind in diesem Bereich angedacht.
Mein Kommentar: Da ich nicht zu den ewig Gestrigen gehören will, begrüße ich diese Bemühungen und hoffe, dass die Umsetzung nicht so lange dauern werden, dass die dann gewählten technischen Maßnahmen keinen Menschen mehr interessieren würden.
 
 
„TOP 3 Öffentlichkeitsarbeit – Verbesserung der Kommunikation über die neuen Medien“
 
Die permanente Verbesserung der Öffentlichkeitsarbeit und die Optimierung der  Kommunikation muss uns Verpflichtung sein und bleiben, getreu dem Motto „Tue Gutes und rede darüber“.
Als Mitglied der Unterarbeitsgruppe des KGÖ gebe ich an dieser Stelle weiter, was wir dem Ausschuss für die Weiterarbeit im Ausschuss und in der Synode mitgegeben haben:
1. Kommunikation – Direktansprache
2. Bildung, E-Learning
3. Serviceleistungen für Kirchenmitglieder
4. Verwaltungsoptimierung
 
Sehr spannend finde ich, wie es uns gelingen kann unser Bild von Kirche und Glauben auch in den modernen Medien zu transportieren. Dadurch sollen Menschen sich auch einladen lassen zur Nachfolge Jesu Christi, diesen Weg im Glauben gehen und ihr Leben im Glauben gestalten können.
(Martin Allmendinger)


4. Landessynode unterstützt den Inklusionsprozess der Landeskirche
(Bericht zum Top 20 „Inklusionsplan“)
Links zum Nachlesen:

    Bericht Inklusion (Markus Mörike)
    Präsentation Inklusion (Dieter Kaufmann)

Inklusion heißt wörtlich übersetzt Zugehörigkeit, also das Gegenteil von Ausgrenzung. Wenn jeder Mensch – mit oder ohne Benachteiligung – überall dabei sein kann, in der Schule, am Arbeitsplatz, im Wohnviertel, in der Freizeit, in der Kirchengemeinde, dann ist das gelungene Inklusion.
Götz Kanzleiter, Synodaler von Kirche für morgen im Diakonieausschuss betont in seiner Synodalarbeit immer wieder den biblischen Inklusionsauftrag, den wir z.B.in Apostelgeschichte 2,42 finden:„Sie alle blieben ständig zusammen. und teilten alles miteinander und feierten das Mahl.“
„Inklusion ist nicht etwas, was wir in der Kirche auch noch machen, sondern was uns ausmacht.“, so  Landesbischof Frank Otfried July. Heute ist er zum Zeichen der Wichtigkeit dieses Anliegens, Vorsitzender des Netzwerks Inklusion in der Evangelischen Landeskirche in Württemberg (NIL) und möchte das Thema fest in vielen Kirchengemeinden verankert sehen.
Aus den synodalen Überlegungen von 2013 heraus wurde der Aktionsplan „Inklusion leben“ ins Leben gerufen. Dieser solle helfen, Ausgrenzung systematisch zu überwinden und inklusive Ansätze in Kirchengemeinden zu entwickeln und zu fördern. Ziel sei es, Kirchengemeinden, diakonische Einrichtungen und Dienste dabei zu unterstützen, vor Ort eigene Wege zu gehen und Impulse für umfassende Inklusion bei Arbeitslosigkeit, Armut, Krankheit, Behinderung und Flucht zu setzen.
„Inklusion wird in Kirchengemeinden, in kirchlichen und diakonischen Einrichtungen vielfach gelebt. Wir können es jedoch noch systematischer und bewusster tun. Dazu will der Aktionsplan ‚Inklusion leben‘ anregen. Es ist der Versuch, miteinander einen vielfältigen Prozess bis 2020 zu gestalten.“ Landesbischof Dr. h. c. Frank Otfried July
 
Inklusion ist wichtige Leitlinie und die Handlungsstrategie einer zukunftsfähigen diakonischen Kirche von  morgen.

    Beteiligung und Vernetzung weiterentwickeln
    Teilhabe und Teilgabe fördern
    Reflexion von Haltungen und Einstellungen
    Unterstützung inklusiver Schritte vor Ort

In einer inklusiven Gesellschaft ist es normal, verschieden zu sein. Jeder ist willkommen. Und  Inklusion ist kein Expertenthema – im Gegenteil. Sie gelingt nur, wenn möglichst viele mitmachen. Jeder kann in seinem Umfeld dazu beitragen. Und je mehr wir über Inklusion wissen, desto eher schwinden Berührungsängste und Vorbehalte.
(Götz Kanzleiter)

Eine Grafik, die das Prinzip der Inklusion verdeutlicht:  


5. Ehrenamtsstelle
 
Im Rahmen der Beratungen zum Nachtragshaushalt wurde von der Synode mit großer Mehrheit eine Stelle zur Ehrenamtsförderung auf den Weg gebracht. Dafür werden ab dem nächsten Haushaltsjahr jährlich 130.000,- Euro bereitgestellt. Aufgabe des zukünftigen Stelleninhabers/ der zukünftigen Stelleninhaberin soll die enge Vernetzung der Ehrenamtsförderung durch die Werke und Institutionen unserer Landeskirche sein. Außerdem wünscht sich die Landessynode eine zukunftsfähige Konzeption der Ehrenamtsförderung und Ehrenamtsbegleitung für die Landeskirche. Die Stelle soll im nächsten Jahr besetzt werden.
(Matthias Böhler)


6. Gesprächskreisvotum von Kirche für Morgen zur „Mittelfristigen Finanzplanung 2016-2020“ im Rahmen der Sommersynode 2016

Kirchenleitung ohne Visionen für die Zukunft!


Kai Münzing hält als „Finanzexperte“ das Gesprächskreisvotum von Kirche für Morgen zur Mittelfristigen Finanzplanung des Oberkirchenrats und spricht nicht mit einem Wort über Geld!
Gleich zu Beginn kritisiert er die mutlose dauernde Fortschreibung von alten Haushaltsplänen ohne als Landeskirche im engeren Sinne auf die Herausforderungen von Kirche für die Zukunft Antworten zu finden.

Er stellt fest, dass Kirche längstens insgesamt eine Säkularisierung, oder zumindest einen gesellschaftspolitischen Relevanzverlust erlitten hat!
Die einzige Konstante, so fasst er zusammen, ist wohl der Rückgang der Mitglieder. In den letzten drei Jahren verlor aufgrund von Austritten und demographischen Entwicklungen die Evangelische Landeskirche Mitglieder in der Größenordnung eines Kirchenbezirks!

Bei dieser scheinbar existenziellen Frage wollen wir scheinbar nicht wahrnehmen, dass wir längst nicht mehr die Mitte sind und wir somit nicht über die Menschen am Rande und deren „Erreichbarkeit“ nachzudenken haben, sondern vielmehr, wie wir wieder in diesen zwischenzeitlich entkirchlichten Kreisen vorkommen können.


Den Königsweg als Antwort auf diese Fragen kennen wir sicherlich alle nicht. Was aus Sicht von Kirche für Morgen allerdings nicht reicht, ist:

    weiterhin schwerpunktmäßig in „Kommstrukturen“ zu denken,
    neue Aufbrüche einzig damit zu verbinden, dass Gottesdienste sich nicht mehr an „Melkzeiten“ orientieren, sondern nun revolutionär auch um 10:30 Uhr beginnen können,
    die bestehenden Gemeinden lediglich weiterzuentwickeln,
    von familienfreundlich zu sprechen, wenn nur ein verglaster Innenraum zur Betreuung der Kinder erstellt wurde,
    von postmodern zu sprechen, wenn in diesem Raum dann auch noch der Gottesdienst auf einem Flatscreenbildschim live mitzuschauen ist,
    von liturgischer Weite zu sprechen, wenn 2 mal im Jahr „auch“ ein Lobpreisgottesdienst stattfindet, bei dem „auch mal“ aus einem anderen Liederbuch gesungen wird,
    von Reformation zu sprechen und nur die gegenwärtigen Strukturen reformieren zu wollen,
    von weltoffen und einladend zu sprechen, wenn wir Menschen in unseren Gottesdiensten zwar begrüßen aber dies mit den Worten tun, „Sie wissad scho, dass sia auf meim Platz sitzad?“
    

Er folgert weiter, dass:
viele dieser Beispiele kleine Schritte in eine richtige Richtung sind. Aber wir nicht glauben sollten, damit wäre schon Wesentliches getan. Die großen Herausforderungen unserer Zeit brauchen große und mutige Schritte.
Dass diese Denkweise nicht neu ist, ist in Matthäus 9, Vers 35 f.f. zu lesen. Jesus muss sich wohl ähnlich gefühlt haben wie wir Christen und Christinnen heute.
Ähnlich wie wir heute, sah er die Not und die Notwendigkeit, überall anzupacken und Veränderungen anzugehen. Er nahm allerdings auch wahr, dass er hierzu alleine nicht in der Lage sein würde.

So ist zu lesen: „Und Jesus ging ringsum in alle Städte und Dörfer, lehrte in ihren Synagogen und predigte das Evangelium von dem Reich und heilte alle Krankheiten und alle Gebrechen. Und als er das Volk sah, jammerte es ihn; denn sie waren verschmachtet und zerstreut wie die Schafe, die keinen Hirten haben. Da sprach er zu seinen Jüngern: Die Ernte ist groß, aber wenige sind der Arbeiter. Darum bittet den Herrn der Ernte, dass er Arbeiter in seine Ernte sende.“
Von seiner Strategie sollten wir lernen. Diese ist dann in Matthäus 10 Verse 1-15 weiter zu entdecken. Hier lesen wir von der Berufung der Zwölf und von der Aussendung der Jünger.


500 Jahre nach Luther würde er uns heute vermutlich zurufen:

    Lasst uns die Mittelfristplanung an zukunftsfähigen Inhalten ausrichten und nicht nur alte Haushaltspläne fortschreiben!
    
    Lasst uns nicht jammern und verharren, sondern Kirche mit all den uns in Fülle zur Verfügung stehenden Ressourcen stets reformieren!
    
    Lasst uns ein Priestertum aller Gläubigen leben, indem wir diese entsprechend befähigen und ihnen die rechtlichen Rahmenbedingungen schaffen!
    
    Lasst uns erkennen, dass wir und Kirche nicht die Mitte sind und um uns die Ränder – sondern dass die Mitte Jesus Christus ist und um ihn herum „die Ränder“ sind.

     Aus dieser Erkenntnis resultiert:
    
    Lasst uns dorthin gehen wo die Menschen sind, um ihnen von der Hoffnungsbotschaft erzählen zu können um mit ihnen dort Leben zu teilen und Gemeinde zu gründen!
    
    Lasst uns die christlichen Werte, Glaube, Nächstenliebe und Hoffnung an den Orten authentisch leben, wo wir Säkularisierung und kirchliche Substanzverlust wahrnehmen! Aus diesem Grunde setzt Kirche für Morgen auf eine Vielfalt der Ausbildungswege: PfarrerInnen, DiakonninenInnen, ReligionspädagenInnen, PrädikantenInnen, Milieumissionare, Gemeindegründungspioniere sowohl ehren- haupt- und berufsbegleitend qualifiziert.
    
    Lasst uns hierzu in gesellschaftlichen Kontexten mit großem Selbstverständnis und ohne strategisches Kalkül vorkommen, in denen wir bis dato nicht oder nicht mehr erlebbar sind.
    Dies sind zum Beispiel Kontexte von Sportveranstaltungen, Vereine, kommunale Feste, Landes- und Bundesgartenschauen, im Bereich des Tourismus, der Gewerkschaften, der Industrie und der Kultur, der Freizeit und schlichtweg im Bereich der Nachbarschaft und in unseren hoffentlich milieuübergreifenden Freundeskreisen.
    
    Lasst uns mutig neue Strukturen denken, erproben und ermöglichen!
    

Nachdem Kirche für morgen all diese weitergehenden Schritte nicht nur benennt, sondern auch konkret mit Ideen und Anträgen befördert ist zu vermuten, dass Martin Luther heute Mitglied von Kirche für Morgen wäre!
 
(Kai Münzing)


7. Europa – Quo vadis ? (Aktuelle Stunde zu Europa)
 
Am letzten Sitzungstag fand die sogenannte „aktuelle Stunde“ statt. Dieser einstündige TOP ist ein Instrument der Geschäftsordnung, das sich die Synode nach den Ereignissen in Winnenden 2009 selbst gegeben hat, um tagesaktuell auf Themen eingehen zu können, die „unter den Nägeln brennen“, ohne als Tagesordnung vorgesehen zu sein oder in einem Ausschuss behandelt zu werden.
Der Präsidentin wurden diesmal zwei Themenvorschläge gemacht, die sich glücklich zu der Fragestellung: „Was können wir als Kirchen zu einem guten Miteinander in Europa beitragen?“ zusammenfassen ließen.
Zahlreiche Redner meldeten sich in dieser satten Stunde zu Wort, um ihre Gedanken zu teilen. Einhellig forderten die Synodalen, vom europäischen Gedanken keinesfalls abzulassen, sondern ihn im Gegenteil zu stärken und weiterhin auszubauen.

So forderte Prof. Dr. Marin Plümicke (OK), die wirtschaftlichen Standards in Europa durch gemeinsame  Sozialstandards zu ergänzen, damit die Vorteile einer Europäischen Gemeinschaft bis in die untersten Sozialschichten hinein unmittelbar spürbar werden.
Dr. Martin Brändl (LG), der an die Ermordung der britischen Unterhausabgeordneten Jo Cox erinnerte, die sich gegen einen Brexit ausgesprochen hatte, stellte fest, dass Europa vereinter sei, als den meisten bewusst sei, es fehlten lediglich Brücken der Begegnung. Diese sollten zunächst zwischen den Kirchen gebaut werden. Ergänzend dazu war es Prof. Dr. Martina Klärle (OK) wichtig, ebenso den Dialog mit Nachbarn der EU zu suchen: Der Nahe Osten sei uns als Europäern tatsächlich extrem nah und kein geographisch ferner Krisenherd. Wilfried Braun (EuK) schlug den Bogen noch weiter: wir dürfen uns als Europa auch nicht von der restlichen Welt und anderen Kontinenten distanzieren.
Landesbischof Frank Otfried July ließ es sich nicht nehmen, auf sein persönliches Anliegen, nämlich Versöhnungsnetzwerke zu bauen, hinzuweisen, was er durch zahlreiche Versöhnungsgottesdienste umsetze. Offenbar gottesdienstlich fühlte sich danach auch ein nachdenklicher Redner, der während seines (guten) Beitrags in den Predigtmodus umschaltete und die versammelte Synode versehentlich als „liebe Gemeinde“ ansprach, was kurz für Heiterkeit sorgte.
Hellger Koepff von der OK zeigte sich besorgt, dass es Strömungen in Europa gebe, die Identität nicht geistig, sondern wieder militärisch schaffen bzw. sichern wollen. Auch seine Gesprächskreiskollegin Angelika Klingel sorgte sich wegen der zunehmend militanten klingenden Agitationen auch bei uns: „Manchmal habe ich den Eindruck, die Menschen dürstet nach so einer langen Friedenszeit nach Krieg.“
Dr. Carola Hoffmann-Richter (OK) ging in diesem Zusammenhang auf die Flüchtlingspolitik ein, die sie zu sehr von einer Sicherheitslogik bestimmt sieht. Dieser müsste eine Friedenslogik entgegengesetzt werden. Siegfried Jahn (LG) machte ergänzte dies mit dem Hinweis, dass nicht nur die Politiker in der Verantwortung stünden, sondern bereits einen Schritt vorher die Wähler: „Wir haben auch Verantwortung in unserem Stimmverhalten.“
Ein Bonmot schuf am Ende unser Gesprächskreismitglied Kai Münzing, der die Chance der in Europa geschützten Religionsfreiheit mit der Warnung verknüpfte, dass es sich nicht um eine rein „evangelische Religionsfreiheit“ handeln dürfe.
 
(Peter L. Schmidt)

Ausführliche Berichte auf www.elk-wue.de/wir/landessynode/aktuelle-tagung/

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