Kirchenbezirkssynode am 8. November 2019 in Besigheim

Pressebericht zur Bezirkssynode

 

Die Synode wurde nach dem Festgottesdienst um 18 Uhr von der Vorsitzenden Irmgard Böhler eröffnet. Es folgten Berichte aus dem Kreisdiakonieverband und der diakonischen Bezirksstelle sowie dem Kreisbildungswerk und der vernetzten Seniorenarbeit im Bezirk. Die Angebote dieser Träger werden rege genutzt und sind ein entscheidender und gesellschaftlich anerkannter Bereich kirchlicher Arbeit. Allerdings sind sie vom gesellschaftlichen Wandel erfasst. Um hier mit den Entwicklungen Schritt halten zu können, wird investiert. In eine Sozialraumanalyse im Buch, aus der eine 50% Projektstelle erwachsen soll, in ein familienkonzentriertes Erwachsenenbildungsprogramm, das insbesondere die Altersgruppe der 25 - 45 jährigen über den Wert kirchlicher Bildungsarbeit und Mitgliedschaft aufklären soll, über eine Seniorenarbeit, die ernst nimmt, dass in der Spanne der 65 bis 85 jährigen viel mehr Binnendifferenzierung notwendig ist, um die alterspezifischen Geschmäcker zu treffen. Darüber hinaus lautet das allgemeine Stichwort: „Vernetzt denken – gemeinsam gestalten.“ 

Ein zweiter Block der Bezirkssynode beschäftigte sich mit dem Rechnungsabschluss des Kirchenbezirk 2018 sowie einer Analyse von Kirchensteuerentwicklung und dem Beschluss deren Zuweisung. Im Nachgang daran, wurde der Plan für die kirchliche Arbeit 2020 von den Synodalen einstimmig beschlossen. Bezirksrechner Gläsche führte sachkundig die Synode durch die Haushaltsdebatte. Insgesamt kann gesagt werden: Der Kirchenbezirk hat gegenüber der Planung des ordentlichen Haushalts im Rechnungsabschluss 2018 ca. 12 000 Euro mehr benötigt, als geplant war. Das hat insbesondere mit Personalkosten, wie die des neuen Pfarrers zur Dienstaushilfe, zu tun. Für den neuen Haushalt werden insgesamt 6,85% mehr Kirchensteuermittel benötigt, das hat zum Beispiel mit den fünf neuen Vikaren zu tun. Der Kirchenbezirk veranschlagt für ihre Ausbildung in den Gemeinden ca. 55 000 Euro pro Jahr (Personalkosten ausgenommen).  

Die pauschale Kirchensteuerzuweisung wurde von Herrn Müller und Frau Käser von der kirchlichen Verwaltungsstelle vorgestellt. Der Schlüssel errechnet sich unter anderem aus der Zahl der Gemeindemitglieder des Kirchenbezirks bzw. der Gemeinden im Bezirk. Bei 1,5% Mitgliederrückgang hat der Kirchenbezirk Besigheim einen Schwund, der dem landeskirchlichen Durchschnitt entspricht und daher kalkulierbar ist. Trotz dieses Rückgangs können aufgrund der guten Konjunktur die zugewiesenen Kirchensteuermittel fast das Niveau des Vorjahres halten (4,5 Millionen Euro). Die kirchliche Verwaltungsstelle plant den Mitgliederschwund und die erwartete konjunkturelle Abkühlung in ihre Prognosen mit ein.

Festgelegte Anteile der zugewiesenen Mittel werden gemäß der kirchlichen Haushaltsordnung und der Bezirkssatzung in Rücklagen gesteckt. So zum Beispiel werden 2 Euro pro Gemeindeglied in Rücklagen für Baumaßnahmen an den kirchlichen Gebäuden und die Substanzerhaltung (Abschreibung) veranschlagt. Hier macht sich der fatale Niedrigzinskurs bemerkbar: Aufgrund verantwortungsvoller, ethischer und christlicher Handlungsmaximen in der Haushaltsplanung, ist es gemäß der landeskirchlichen Haushaltsordnung nicht möglich, risikobehaftet Anlagestrategien zu verfolgen. An dieser Maxime aus Überzeugung festzuhalten, hinterlässt jetzt in der Gewinnungsausschüttung spürbar negative Folgen. Umso glücklicher ist, dass die Haushaltsplanung von Landeskirche und Bezirk hier nicht resigniert, sondern konkret in die Gemeinden investiert. Nochmals werden 2,25 Euro pro Gemeindemitglied als außerordentliche Ausschüttung für 2020 zur eigenen Schwerpunktsetzung in die Gemeinden gegeben. Das macht insgesamt ca. 95 000 Euro für den Kirchenbezirk und damit beispielsweise für die Gesamtkirchengemeinde Bietigheim ca. 19 00 Euro. Obendrauf kommen noch einmal von der Landessynode ein Innovationpool mit 1,5 Millionen Euro. Davon kann bei Bedarf und auf Antrag im Kirchenbezirk Besigheim bis zu 28 680 Euro abgerufen werden. Die Bezirkssynode hat die diesbezüglichen Anträge alle angenommen. Alle Haushaltspläne sind öffentlich einsehbar, so z.B. auf der Website des Kirchenbezirks. Zum Hintergrund der Kirchensteuer und kirchlicher Finanzpolitik siehe elk-wue.de, Stichwort: „Kirche und Geld“. 

Nach Satzungsänderungen, die insbesondere die Zusammensetzung von Ausschüssen oder Formulierungen aufgrund der Fusion der Kirchenbezirke Vaihingen und Ditzingen geschuldet sind, wurden mit Spannung die Berichte der Landesynodalen und der Dekane erwartet: 

Die Landessynodalen berichteten über zentrale Weichenstellungen der vergangenen Legislatur, aber schauten insbesondere auch nach vorne. Die öffentliche Segnung von gleichgeschlechtlichen Ehepaaren wird eine neue Trauagende hervorbringen, so Landessynodale Mörk, die sich den Veränderungen dieser Kasualien insgesamt stellen wird (z.B. interreligiöse Trauungen oder Trauung mit Ungetauften). Synodaler Böhler wünscht sich eine weitere Transformation des Oberkirchenrats weg von einer Aufsichtsbehörde hin zu einem kirchlichen Servicedienstleister für die Kirchengemeinden. Eine große Herausforderung sei es, dass die Landeskirche und alle ihre Werke und Gemeinden attraktive Arbeitgeber bleiben. Der Verwaltungsaufwand steigt immens an, obwohl die Zahl der Gemeindeglieder weniger werde. Dazu kommt in der Strategischen Planung 2024+ eine Umstellung der kirchlichen Verwaltung: Zunehmend weg von der Kameralistik hin zu agilen Strukturen. Strukturdebatten sind notwendig, auch wenn kirchliche Arbeit vor Ort von dem Menschen mit anderen Wünschen behaftet ist und anders erlebt wird. 

Schuldekan Dr. Löw stellte in seinem Bericht klar: Wer meint, Bildung und lebenslanges Lernen ginge in unsere multikulturelle Gesellschaft und angesichts der soziodemographischen Veränderungen ohne religiöses Lernen, der irrt. Denn Bildung ist mehr als abstraktes Wissen und Fachkompetenz, sondern Bildung und insbesondere religionspädagogische Bildung auf allen Ebenen von Schule und Gemeinde habe die Aufgabe, Herzensbildung zu sein. Das bedeutet die Auseinandersetzung mit meiner eigenen religiösen Herkunft und Biographie und mit der des anderen. Aus dem christlichen Menschenbild und aus evangelischer Perspektive wird klar: Meine religiöse Freiheit schließt immer die des anderen mit ein. In kooperativen Formaten wie der konfessionell-kooperative Religionsunterricht in der Grundschule sei ein Beispiel, wie solch zukunftsweisende religiöse Bildung gelingen kann.

Dekan Feucht erinnerte die Bezirkssynodalen daran, dass die Zeiten einer selbstverständlichen Kirchenmitgliedschaft und damit der Anspruch Volkskirche zu sein, dem Wandel unterliegen. Die soziale Ausdifferenzierung habe zur Folge gehabt, dass Kirche sich auf einige Milieus spezialisiert habe und gar nicht mehr alle Teile der Gesellschaft umfasst. Aus dieser Verengung muss sie sich lösen. Dieser Umstand gelte aber für alle gesellschaftlichen Bereiche und sei kein rein kirchenspezifisches Problem. Er gab zu bedenken: Wie kann der Dialog mit dem säkularen Teil unserer Gesellschaft gelingen, und zwar konstruktiv, und nicht ablehnend?

Mit Blick auf die kommende Legislaturperiode der neuen Bezirkssynode nach der Kirchenwahl, zeichnete Dekan Feucht ein Panorama der kommenden Aufgaben: In Pilotphasen werden neue Verwaltungsstrukturen erprobt, mit dem Ziel, Synergieeffekte zu nutzen, Innovationen einzuführen und einheitlicher zu arbeiten, um besser vernetzt zu sein. Parallel zu dieser Strukturreform gilt es, den Pfarrplan als Schreckgespenst alias Pfarrstellenstreichung und Gemeindefusion hin zu einem inhaltlich gefüllten Gemeindeentwicklungsplan zu transformieren. Das ist anstrengend, aber nicht ohne Verheißung, denn: „Das Himmelreich gleicht einem Sauerteig, den eine Frau nahm und unter einen halben Zentner Mehl mengte, bis er ganz durchsäuert war (Mt 13,33).

   

Pfarrer Maximilian-Friedrich Schiek

PDA im Dekanat Besigheim